MedAT

Medizinstudium in Österreich: An welcher Universität?

Wo soll man in Österreich Medizin studieren? Die Qual der Wahl bei der Anmeldung für den MedAT

Im März beginnt der Anmeldezeitraum für den MedAT. Einen Monat lang können sich Personen, die gerne Medizin in Österreich studieren möchten, auf den Websites der Universitäten für den Aufnahmetest anmelden. Hier besteht die Wahl zwischen diesen vier öffentlichen Universitäten in Österreich:

Rund um diese Zeit gibt es immer wieder Diskussionen, in welcher Stadt man sich anmelden sollte. Es wird darüber diskutiert, wo es die besten Chancen auf einen Studienplatz gibt, wo das Studium am besten gestaltet ist und wo es sich am besten lebt.

Manche Studienwerber*innen gehen sogar so weit, dass sie sich an mehreren Standorten für den MedAT anmelden. Hier muss man zwar die Kostenbeteiligung (circa 110 Euro) mehrfach bezahlen, kann aber dann am Testtag entscheiden an welchem Ort man zum Test erscheint. Warum das aus unserer Sicht nicht notwendig ist und wie du dich für deinen zukünftigen Studienort entscheidest, erfährst du in diesem Blogartikel.

Wo sind die Chancen auf einen Medizin-Studienplatz am besten?

Auf diversen Websites und auch bei uns im Blog kann man nachlesen, welche ungefähren „Bestehensgrenzen“ es beim MedAT in den letzten Jahren in den verschiedenen Städten gab. Außerdem erhält man einen Einblick, wie sich die Anmeldezahlen über die Jahre entwickeln. Aus diesen beiden Angaben kann man ableiten, wo es je nach Kontingent (siehe auch Blogbeitrag „MedAT-Kontingente“) die besten Chancen auf einen Studienplatz gibt. Allerdings kann man auch sehen, dass es in verschiedenen Jahren immer wieder Ausreißer gibt. Die Frage nach der Chance ist also, anders als man vermuten würde, auch eine Glücksfrage. Nicht zuletzt, weil man egal, wie groß die Chancen sind, immer noch keine Garantie für einen Studienplatz hat. Viel wichtiger ist deshalb eine gute Vorbereitung auf den MedAT, sodass man sich nicht mit Quoten und Chancen beschäftigen muss, sondern mit gutem Selbstbewusstsein in den Test hinein gehen kann.

Einen kleinen Trend bezüglich der Chancen gibt es aber, den ich dir an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte. Lese aber diesen Artikel unbedingt bis zum Ende und überlege dir, ob du dich nicht doch nach anderen Kriterien richten möchtest.

Grundsätzlich kann man sagen, dass EU-Bürger*innen die besten Chancen in Linz und Graz haben. Eher schlechtere Quoten gibt es für EU-Bürger*innen in Innsbruck und Wien, weil hier der größte Zulauf aus Deutschland geschieht.

Personen im Österreich-Kontingent haben es in Wien meist am schwersten, gefolgt von Graz. Eher gute Chancen haben Österreicher*innen in Linz und Innsbruck.

Für Personen in der Nicht-EU-Quote gibt es nicht allzu viele Daten, weil in diesem Kontingent nur sehr wenige antreten. Es ist in dieser Quote aber eher mit hohen Grenzwerten in allen Städten zu rechnen.

Wie schon erwähnt, gibt es für diese Trends aber keine Garantie. In manchen Jahren gibt es durch Zufälle (z.B. 2018 mehr Studienplätze in Linz und gleichzeitig ein größerer Zulauf) ganz andere Quoten an den verschiedenen Unis. Umso mehr ist das ein Grund, seinen Studienort nach anderen Gesichtspunkten auszuwählen.

Wie unterscheidet sich das Studium an den vier Universitäten?

Vorab sei hier gesagt, dass das Medizinstudium an allen Standorten in Österreich 6 Jahre dauert, wobei das letzte Jahr (KPJ = klinisch-praktisches Jahr) im Krankenhaus als Praktikum absolviert wird. Es besteht immer aus zwei Arten von Veranstaltungen: Zum einen gibt es die Vorlesungen, bei denen meistens keine Anwesenheitspflicht herrscht. Auf der anderen Seite gibt es verschiedene Formen praktischer Veranstaltungen (Praktikum, Track, Line, Seminar) mit einer Anwesenheitspflicht. Für gewöhnlich finden die Vorlesungen am Vormittag und die anderen Veranstaltungen am Nachmittag statt.

1. Medizinische Universität Innsbruck

An der Medizinischen Universität Innsbruck gibt es das Medizinstudium wohl noch in der „traditionellsten“ Form, was den organisatorischen Aufbau betrifft. Hier gibt es in jedem Semester eine große Prüfung über alle Vorlesungsfächer. Während des Semesters hat man vormittags Vorlesungen und nachmittags immer wieder Praktika. In den Praktika gibt es kleinere Zwischenprüfungen oder Testate, die über deine Note für das Praktikum entscheiden. Insgesamt wird in Innsbruck am Anfang des Studiums ein sehr großer Wert auf Anatomie gelegt. So gibt es gleich im ersten Jahr einen sehr aufwändigen Sezierkurs. Ab dem 4./5. Semester geht es dann so richtig mit den klinischen Fächern los, aber auch davor erfährt man schon klinische Inhalte beispielsweise im Fach „klinische allgemeinmedizinische Falldemonstrationen“.

2. Medizinische Universität Graz

An der Medizinische Universität Graz ist das Studium in Module eingeteilt, an deren Ende immer eine (kleinere) Prüfung steht. Zusätzlich gibt es „Tracks“, die immer simultan zu den Vorlesungen der Module laufen und auch thematisch zusammenpassen. Hervorzuheben ist, dass hier schon im ersten Semester ein Stationspraktikum absolviert wird. Außerdem kann  man hier bereits im ersten Jahr die Famulaturlizenz (Voraussetzung für das Absolvieren von Famulaturen, wird in Innsbruck und Wien erst im zweiten Jahr gemacht) erhalten.

3. Medizinische Fakultät an der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz

An der JKU Linz orientiert sich das Studium stark am Aufbau des Studiums in Graz. Dies liegt vermutlich auch darin begründet, dass 120 von 310 Personen, die in Linz aufgenommen werden, die ersten beiden Jahre ihres Studiums in Graz verbringen. Auch hier gibt es Module mit Modulprüfungen und Tracks. Hervorzuheben ist vielleicht, dass der Sezierkurs hier im ersten Jahr von jenen, die in Linz begonnen haben, in Graz absolviert wird. Hierfür werden Studentenwohnheime reserviert, in die alle dann für die Zeit des Sezierkurses ziehen können. Diese Zeit wurde mir als sehr intensiv aber auch spannend und lustig beschrieben.

Weil das Studium in Linz noch relativ jung ist, ist es anders als in den anderen Städten, wo das Medizinstudium ein Diplomstudium ist, in ein Bachelor- und ein Masterstudium geteilt. Dies verändert eigentlich nur die Bezeichnungen und den Fakt, dass in Linz dadurch eine Bachelorarbeit geschrieben werden muss, die es an den anderen Unis nicht gibt. Deine Zulassung als Arzt*Ärztin gemeinsam mit dem Titel Dr.med.univ erhältst du nach dem Masterabschluss aber trotzdem genauso, wie an den anderen Universitäten auch.

4. Medizinische Universität Wien

An der Medizinischen Universität Wien gestaltet sich das Studium einfach gesagt wie eine Mischform aus den Systemen in Innsbruck und Graz. Das Studium gliedert sich in Blöcke, die jeweils einen Themenblock behandeln und wie in den anderen Unis aus Vorlesungen und „Lines“ also Praktika und Seminaren bestehen. Am Ende jedes Blocks gibt es eine FIP (oder Blockprüfung), die zur Kontrolle des eigenen Lernerfolgs dient und nur mit Erfolg oder ohne Erfolg abgeschlossen wird (keine Note). Am Ende eines Semesters oder eines Studienjahres gibt es eine SIP (summativ integrierte Prüfung), die benotet wird und für das Vorankommen im Studium notwendig ist. Hier begleitet die Anatomie die Studierenden über die ersten zwei Jahre. Danach geht es in die Klinik, in der man auch viel Zeit im Krankenhaus verbringt, wo mittels Bedside-teaching gelehrt wird.

Alle Systeme haben Vor- und Nachteile. Am besten informierst du dich dazu näher auf den Homepages der Unis.

 

In welcher Stadt ist es am schönsten?

Alle vier Unistandorte haben etwas für sich. Jeder und jede muss selbst für sich jene Stadt finden, in der es einem am besten gefällt. Vielleicht hast du die Möglichkeit, die Städte, die du in Erwägung ziehst, einmal zu besuchen, um dir ein genaueres Bild zu machen.

Wien

Wien ist eine Großstadt. Hier gibt es alles, was man sich wünschen könnte. Die Uni ist sehr groß und es gibt viele Komiliton*innen, die man kennenlernen kann. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten auszugehen, schöne Parks und Cafés und ein reichhaltiges Kultur- und Sportangebot. Auf der anderen Seite ist die Stadt und auch die Uni durch die Größe anonymer, die Wege sind weiter und für Skifahrer*innen ist es ein längerer Weg in die Berge. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die Vorteile von Wien auch schon mehrfach objektiv festgestellt wurden. So wurde die österreichische Hauptstadt auch 2022 wieder zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt.

Innsbruck

Wer die Berge gerne nah haben will, sollte sich Innsbruck anschauen. Innsbruck ist relativ klein und dadurch auch sehr familiär, was positiv und negativ sein kann. Man kennt sehr viele der Komilliton*innen, weil immer in den gleichen Bars gefeiert wird oder man sich am Inn gemeinsam trifft. Die Natur ist nur wenige Meter entfernt und man findet kaum eine WG, in der nicht Kletterausrüstung, Mountainbikes, Snowboards und Skier liegen.

Graz

In Graz gibt es immer schönes Wetter. In der mittelgroßen Stadt im Süden von Österreich scheint gerne mal die Sonne. In den malerischen Gassen trifft man gefühlt ausschließlich Studierende, die in diversen Bars, Restaurants oder Cafés sitzen und die Stadt genießen. Vielleicht ist Graz etwas ab vom Schuss, aber wenn man einmal dort ist, will man ohnehin nicht mehr weg.

Linz

In Linz lockt ein sehr moderner neuer Campus die Studierenden an den Rand der Stadt. Auch hier ist die Natur nicht allzu weit entfernt und mit dem Zug erreicht man in alle Richtungen sehr schnell alles, was es in Österreich zu sehen gibt, weil die Stadt so schön in der Mitte liegt.

Neben den Chancen, dem System und der Stadt spielen natürlich auch noch andere Faktoren bei der Auswahl des Studienorts eine Rolle. 

Die Entfernung zum Heimatort, Wohnungspreise, familiäre Verhältnisse oder Ähnliches musst du individuell in deine Entscheidung miteinbeziehen.

Wir von MedBooster empfehlen auf Nachfrage immer wieder, sich die Städte und die dazugehörigen Unis anzusehen und die eigenen Bedürfnisse bei der Entscheidung in den Vordergrund zu stellen. Letztendlich muss man an seinem Studienort für mindestens 5 Jahre leben und verbringt dort eine der prägendsten und intensivsten Zeiten des eigenen Lebens. Deswegen ist es wichtig, dass man sich dort auch wohlfühlt. Andererseits bist du vielleicht jemand, der*die das Gefühl hat, in allen vier Standorten gut zurecht zu kommen, oder es ist dir tatsächlich schlichtweg egal, wo du studierst. Dann ist es natürlich völlig legitim, wenn du dich nach der rein rechnerisch höchsten Quote richtest. Wie schon einige Male erwähnt, kann man sich auf diese Quote nur eben nicht immer verlassen.

Wir hoffen, dass wir dir mit dieser Vorstellung der rechnerischen Chancen und der subjektiven Vor- und Nachteile der einzelnen Städte deine Entscheidung etwas erleichtert haben. Zumindest bist du vielleicht einen Schritt weiter auf dem Weg zu deinem perfekten Studienort gegangen.

Geht’s auch ohne MedAT?

Wenn man sich den MedAT ersparen möchte, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Studienwerber*innen mit guten Reifeprüfungszeugnissen können den TMS in Deutschland absolvieren und so ihre Chancen auf einen Medizinstudienplatz in Deutschland verbessern. Mehr zum Aufnahmeverfahren in Deutschland findest du hier: Was ist der TMS?

Mit guter Vorbereitung in einem unserer MedAT-Vorbereitungskurse oder mit unseren Büchern kannst du einen Studienplatz aber, ungeachtet der Quote, auch in allen 4 Städten in Österreich ergattern. 

Also beginne heute noch mit deiner Vorbereitung und wir sehen und in Wien, Graz, Innsbruck oder Linz!

Autorin: Anna Schober, MedBooster-Bloggerin und Medizinstudentin

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